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Kontrollzonen – Flugverbot ? - Eferdinger Josef - 02.03.2019

Dr. Wolfgang Schober
Fachgruppe Technik und Recht

Kontrollzonen – Flugverbot ?

In Prop 3-2018 wurde schon ausführlich auf die Kontrollzonen eingegangen, die große Gebiete um unsere Flughäfen einschließen. Ich möchte deshalb nur kurz nochmals die wichtigsten Eckpunkte wiederholen :
Der Modellflug ist in den Kontrollzonen generell verboten ! Das heißt, auch der Betrieb eines Anfängermodells auf der grünen Wiese hinterm Haus ist in diesem Gebiet nicht gestattet !

Ausnahmen von diesem Flugverbot :
1) Das Flugmodell ist maximal 250 Gramm schwer. Dann gilt es nämlich als Spielzeug und ist ausdrücklich durch das Luftfahrtgesetz (LFG) aus sämtlichen Beschränkungen      ausgenommen. Mit solchen Modellen darf in Kontrollzonen bis auf 30 m Höhe geflogen werden, wenn auf die Sicherheit der Luftfahrt und auf unbeteiligte Personen Rücksicht genommen wird. (Laut LFG ergibt sich daraus auch die Bewegungsenergie von 79 Joule, wenn das Gerät aus 30m Höhe im freien Fall am Boden aufschlägt.)

2) Wurde ein Modellflugplatz schon vor 2014 betrieben und war zu diesem Zeitpunkt schon in der offiziellen Liste aufgenommen, so darf er weiterhin bestehen bleiben(Bestandsschutz). Die maximale Flughöhe ist hier auf 150m einzementiert !

Nun gibt es seit 20. Dezember 2018 eine zusätzliche Möglichkeit, den Modellflug in eingeschränkter Form in den Kontrollzonen zu betreiben. 
Hier das Zitat der Novelle zu den Luftverkehrsregeln 2014 Abs.5:

Der Betrieb von Flugmodellen innerhalb von Kontrollzonen ist verboten. Ausgenommen davon ist der Betrieb von Flugmodellen
1. innerhalb von Modellflugplätzen, die zum Zeitpunkt der Festlegung einer Kontrollzone bereits bestanden haben und
2. wenn die Austro Control GmbH eine allgemeine Erlaubnis zur Nutzung erteilt hat und die diesbezüglich unter Bedachtnahme auf das öffentliche Interesse derSicherheit der Luftfahrt festgelegten Bedingungen eingehalten werden. Eine solche Erlaubnis darf von der Austro Control GmbH jedenfalls nur außerhalb der lateralen Grenzen der Sicherheitszone bis zu einer maximalen Flughöhe von 50 m über Grund erteilt werden. Die allgemeine Erlaubnis sowie die Nutzungsbedingungen sind nach §120a LFG von der Austro Control GmbH anzuordnen und in luftfahrtüblicher Weise kundzumachen.
Mit Genehmigung der Austro Control (ACG) darf nun laut Punkt 2 von Absatz 5 (s.o.) in bestimmten Bereichen der Kontrollzonen ein Modellflugplatz betrieben werden, allerdings nur bis zu einer Flughöhe von maximal 50 m. Es wurde hier der Begriff „laterale Grenzen der Sicherheitszone“ verwendet, der ganz sensible Bereiche um die Start- und Landebahn beschreibt, die einen kleinen Teil der Kontrollzonen ausmachen. Gemeint sind hier die seitlichen Gebiete mit einem Sicherheitsabstand zur Piste die je nach Flughafen unterschiedliche Größen haben. In der Verlängerung der Start- und Landebahn ist ein Modellflugbetrieb nach wie vor nicht denkbar. Viele Modellflieger werden diese Möglichkeit als entbehrlich empfinden. Für die Fachgruppe Technik und Recht hat Punkt 2 aber doch eine grundlegende Bedeutung. Das einstmals unumstößliche generelle Verbot des Modellflugs wurde
nun doch „aufgeweicht“. Es können damit Modellflugzeuge mit einer Masse größer als 250 Gramm bis zu einer Höhe von 50 Meter betrieben werden. Gedacht wird hier an Trainingsgebiete für Race-Copter oder auch Modellflugplätze für Parkflyer, Shockflyer,…… Diese können nun auch am Rand unserer Großstädte betrieben werden, so man einen Modellflugplatz für diese Zwecke von der ACG genehmigt bekommt. Das hat für das „Schnell einmal fliegen Gehen“ schon eine Bedeutung.

Zum Abschluss möchte ich noch über Irritationen berichten, die durch den neuen Punkt 2 in Absatz 5 entstanden sind. Durch eine unglücklich gewählte Formulierung seitens des Verkehrsministeriums (BMVIT) könnte man den Absatz 5 auch so interpretieren, dass beide Punkte gleichzeitig erfüllt sein müssen damit Modellflug in den Kontrollzonen überhaupt
möglich ist. Das wäre natürlich eine Katastrophe für unsere bestehenden Modellflugplätze gewesen, weshalb unser Bundessektionsleiter und Vizepräsident DI Faymann sofort reagiert hat. Ein gut funktionierendes Netzwerk unserer Interessensvertretung mit Präsident DI Malik an der Spitze konnte von der zuständigen Beamtin im BMVIT innerhalb von ein paar Tagen eine schriftliche Klarstellung erreichen. Das Wort „und“ zwischen den beiden Punkten im Absatz 5 hat eine aufzählende und keinesfalls eine kumulative Bedeutung. Damit ist Klarheit geschaffen, und auch die ACG hat sich an die Weisung zu halten. Zusätzlich wurde vereinbart, dass bei der nächsten Novellierung der LVR das „und“ durch ein „oder“
ersetzt wird, um weitere Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Zusammenfassung :
Es gibt in den Kontrollzonen ein allgemeines Verbot für den Betrieb von Modellflugzeugen.
Ausnahmen gibt es nur für
1) Spielzeug (Masse kleiner 250 g), max. Flughöhe 30m
2) Modellflugplätze, die vor 2014 in der Kontrollzone schon bestanden haben. Max. Flughöhe 150 m ! (Bestandsschutz !)
3) Von der Austro Control genehmigte neue Modellflugplätze in bestimmtenBereichen der Kontrollzone. Max. Flughöhe 50m !