Anforderungen an ein Modellfluggelände
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Dr. Wolfgang Schober | 11.06.2017

Vorgeschichte:
Ein paar modellflugbegeisterte Freunde gründen einen Verein und sind auf der Suche nach einem geeigneten Modellfluggelände um endlich die „Wildfliegerei“ aufgeben zu können. Auch der Wunsch nach einer gepflegten Startpiste steht ganz oben am Anforderungskatalog. Und es wird auch tatsächlich ein geeigneter Platz ausfindig gemacht. Doch spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man
einige grundlegende Anforderungen an ein Modellfluggelände prüfen bevor überhaupt erst mit dem Grundstückseigentümer Kontakt aufgenommen wird. Im vorhin geschilderten Fall ist das nicht geschehen und der darauf folgende Ärger war eigentlich vorprogrammiert. Nach langwierigen Streitereien musste der Modellflugplatz schlussendlich aufgegeben werden.

Anforderungskatalog für ein Modellfluggelände:

1.) Ist der Luftraum überhaupt frei ?

a) Um die Flughäfen Österreichs sind sogenannte Kontrollzonen eingerichtet.In diesen ist der Modellflug (auch der „Wildflug“) generell verboten. Befindetsich das zukünftige Modellfluggelände in einer dieser Kontrollzonen, so istjede weitere Bemühung sinnlos. Die Kontrollzonen sind in den diversenLuftfahrkarten (z.B. ICAO) eingezeichnet und man muss sich vergewissern, ob das ausgewählte Grundstück nicht darin liegt.

Bemerkung: „Der Nachbarverein liegt schon seit Jahrzehnten in der Kontrollzone und darf den Modellflugsport sehr wohl betreiben“ ! Diese Aussage ist richtig, denn mit 1.1.2014 wurden die Kontrollzonen neu festgelegt. Bis dahin bei der Austro Control gemeldete Modellflugplätze durften in der Kontrollzone bestehen bleiben. Neue Plätze hingegen werden von der Austro Control nicht mehr geduldet.

b) Bei Flugplätzen (Sportfliegerei, Hubschrauberstartstellen,...) gibt es Sicherheitszonen bei denen unter bestimmten Voraussetzungen Modellflug möglich ist. Trotzdem sollte man lieber die Finger davon lassen, denn Bürokratismus und Ärger sind vorprogrammiert.

2.) Straßennähe :

Natürlich muss (soll) ein Modellflugplatz an das öffentliche Straßennetz angebunden sein. Doch in unmittelbarer Nachbarschaft zu Autobahnen,Schnell- und Bundesstraße oder sonstigen dicht befahrenen Verkehrswegen soll man aus Sicherheitsgründen die Errichtung eines Modellflugplatzes besser unterlassen. Natürlich könnte man den Flugraum so festlegen, dass er nicht über die Verkehrswege führt, doch muss auch ein entsprechender (Ab-)Sturzraum mit einberechnet werden, der die unmittelbare Nähe von frequentierten Straßen verbietet.

3,) Siedlungsnähe :

Das vorhin gesagte gilt umso mehr für Modellflugplätze in Siedlungsnähe. In den Luftverkehrsregeln in § 18 ist das Überfliegen von dicht besiedelten Gebieten und von feuer- oder explosionsgefährdeten Industrieanlagen verboten. Modellflug ist mit einem Mindestabstand von 50 Meter zu bewohnten Gebieten erst möglich. Trotzdem empfiehlt die Fachgruppe Technik und Recht aus Sicherheitsgründen ein weit größere Distanz.
Außerdem ist noch die Lärmproblematik zu beachten :
Wird nur Elektroflug und reiner Segelflug betrieben, also Modellflug auf leisen Sohlen, hat man mit einem ordentlichen Sicherheitsabstand zu bewohnten Gebieten sicher keinen Ärger beim Betrieb des Modellfluggeländes. Werden aber Verbrennermodelle oder Kerosin Jets betrieben, so ist der größtmögliche Abstand zu Siedlungsgebieten der beste Garant für einen langen Bestand des Modellflugplatzes.

4.) Naturschutzgebiete :

Manche Gebiete in Österreich sind für seltene Tierarten geschützt und dort herrscht Modellflugverbot. Am besten kann man das am zuständigen Gemeindeamt oder der Bezirkshauptmannschaft erfragen. Da gibt es ganzjährige aber auch jahreszeitlich beschränkte Naturschutzgebiete. Will man sich auf Letztere einlassen und ein jährlich wiederkehrendes zeitliches Flugverbot in Kauf nehmen ?

5.) Jägerschaft :

Es hat keinen Sinn, sich mit der örtlichen Jägerschaft in Konflikte einzulassen. Meist sitzen diese Herren nicht nur am Hochsitz sondern auch im Gemeinderat und machen dort eine negative Stimmung gegen den Modellflug. Ich kenne einen Verein, der 1 Stunde nach Sonnenaufgang mit dem Modellflug beginnen darf und der 1 Stunde vor Sonnenuntergang den Betrieb einstellen muss.

6.) Luftfahrthindernisse :

Bei der manntragenden Zunft haben Luftfahrthindernisse mindestens 100 Meter Höhe über Grund wie z.B. Windräder, Schornsteine,.........
Für Modellflugzeuge sind Luftfahrthindernisse auch Stromleitungen, Bäume/Baumgruppen/Wald, Erdwälle, Zäune,..........
Was nützt der beste Modellflugplatz, wenn man bei Start oder Landung immer ein Hindernis überfliegen (überspringen) muss ?

7.) Umfeld :
Natürlich sollte der Modellflugplatz auch halbwegs eben sein um ohne großen Aufwand eine Start- und Landepiste errichten zu können. Ein „Flugzeugträgerdeck“ ist zwar prinzipiell möglich, entpuppt sich aber bald als Horror für Modellfluganfänger.Wenn nun all diese Punkte ganz oder wenigstens großteils erfüllt sind, kann man in Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer eintreten und hoffentlich einen günstigen Mietvertrag erlangen.

Zur Beachtung :
Für alle Modellflugplätze wo ein Flugbetrieb laut Luftverkehrsregeln überhaupt möglich ist gilt eine maximale Flughöhe von 150 Meter. Diese kann durch Sondergenehmigungen der Austro Control angehoben werden.
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